Die Bauten lassen sich zu unterschiedlichen Funktionsgruppen zusammenfassen. Reine Wirtschaftsbauten waren die beiden Speicher 3 und 12 sowie die beiden Schuppen 9 und 13. Während die ursprüngliche Nutzung von Bau 9 durch die spätere Überbauung seiner westlichen Hälfte durch Gebäude 8 kaum noch zu klären ist, deuten drei eingegrabene, nur als Erdverfärbungen erhaltene Fässer in und bei Schuppen 13 auf eine handwerkliche Nutzung.
Eine weitere Gruppe von Bauten wird durch zu den Straßen offene, an Tabernen erinnernde Räume charakterisiert. Es handelt sich um die Gebäude 2a-c, 4, 8a und b, 10, 11b, 14, 15 und 17. Diese Gruppe bestand nicht aus einheitlichen Haustypen, sondern lässt sich weiter untergliedern. Für die schmalen Gebäude 4, 8b und 17 ist eine Interpretation auf Grund der teilweisen Überbauung bzw. ihrer schlechten Erhaltung schwierig. Lediglich im Falle von Gebäude 8b erscheint ein Zusammenhang mit dem benachbarten Töpferofen T1 wahrscheinlich. Die beiden ähnlich dimensionierten Häuser 8a und 15 besaßen ein Satteldach und standen mit dem Giebel zur Straße. Die Funktion von Gebäude 8a ist unklar, zwei zusammenhängende Gruben in der östlichen Portikus von Gebäude 15 sprechen dort für eine handwerkliche Tätigkeit.
Das unmittelbar westlich der Straßenabzweigung gelegene Gebäude 10 stand überwiegend auf Einzelpfosten und wurde mindestens einmal umgebaut. Lediglich die Pfosten der westlichen Außenwand sowie eine Innenwand standen in Pfostengräbchen. Die Ausdehnung des Baus nach Süden ist gegenwärtig nicht zu bestimmen, da sich in diesem Bereich in modernes Baustofflager befindet.
Die Bearbeitung der folgenden drei Gebäude bzw. Gebäudekomplexe ist noch nicht abgeschlossen. Dies gilt insbesondere für die Frage, ob es sich bei diesen Bauten jeweils um ein einzelnes, größeres Gebäude handelte oder um mehrere, aneinander gebaute Häuser. Das insgesamt 60 mal 12 m große Gebäude 2 besaß im Norden und im Westen eine Portikus und war in mindestens drei Teile (2a-2c) gegliedert. Vor dem Bau war das Gelände teilweise planiert worden, die Pfostengräbchen des Mittelteils waren in diese Planierschicht eingetieft. Auch in der Bauweise der drei Teile zeigten sich Unterschiede. Im Westteil saßen die einzelnen Pfosten in regelmäßigen Abständen und in annähernd gleicher Tiefe in Wandgräbchen. Dagegen ruhte der Ostteil (2a) auf mächtigen, tief eingegrabenen Pfosten, während die Zwischenwände dort leichter und mit unregelmäßigen Abständen zwischen den Pfosten gebaut waren. Im Ostteil waren die Räume zur Straße hin geöffnet, während der Mittelteil (2b) nach Süden ausgerichtet war. Im nach Westen orientierten Ostteil (2c) nahm die Raumaufteilung deutlich auf den dort angelegten Töpferofen T2 Rücksicht.
Eindeutige Wohnräume waren im Grundriss nicht zu identifizieren, auf Grund der Fundamentierung erscheint die Annahme eines weiteren Stockwerks entweder für den gesamten Bau oder zumindest für Teile davon nicht ausgeschlossen. Die handwerkliche Funktion des Baus ist für den Westteil durch den Töpferofen gesichert, im Mittelteil verweisen ein eingegrabenes Fass sowie mehrere Gruben auf eine ähnliche Funktion. Die großen und breiten, komplett zur Straße offenen Räume im Ostteil könnten auf eine Nutzung im Zusammenhang mit Fuhrwerken hindeuten. Die Frage, ob sich die drei Teile des Baukomplexes noch weiter untergliedern lassen ist gegenwärtig noch nicht abschließend zu beantworten.
Bau 14 war 32 m lang, mindestens 12 m breit und besaß im Norden ebenfalls eine Portikus. Der Ostteil des Baus stand auf Einzelpfosten, während im Westteil eine Reihe von drei zur Straße offenen Räumen lag. Eine Grube, die dort ein Wandgräbchen überlagerte, belegt den mindestens einmaligen Umbau auch dieses Gebäudes. Auf Grund des nach Süden anschließenden Baustofflagers ist die weitere Ausdehnung des Gebäudes nach Süden derzeit nicht zu klären, so dass auch die Frage, ob es sich bei den unterschiedlich fundamentierten Teilen um zwei einzelne, aneinander gebaute Häuser handelte vorerst offen bleiben muß.
Baukomplex 11 gliederte sich in einen unverbrannten nördlichen Teil (11a) und einen abgebrannten Teil im Süden (11b). Größere Hofareale im Nordteil deuten auf eine landwirtschaftliche Nutzung vielleicht als Garten. Diese Nutzung wurde später aufgegeben und der Bau abgebrochen bzw. auf das dann noch 22 mal 20 m große Gebäude 11 b verkleinert. Auch dort ist noch nicht zu beantworten, ob der komplett zur Straße geöffnete Ostteil und der Westteil zu einem einzigen Haus gehörten.
Förderverein Römisches Forum Waldgirmes e.V. - 35633 Lahnau - Georg-Ohm-Str. 2