Bereits in der Vergangenheit konnten die beiden Grabungsleiter Dr. Gabriele Rasbach und Dr. Armin Becker viele Zuhörer in interessanten Vorträgen
über den aktuellen Stand der Ausgrabungen informieren.
Auch in Zukunft möchten wir dies fortführen. Über den nächsten Termin werden Sie auf dieser Seite rechtzeitig informiert.
Prof. Dr. Anja Klöckner begeistert mit lebendigem Vortrag
Eine Reise in die Antike durften rund 130 Besucher im mehr als vollbesetzten Dorfgemeinschaftshaus Waldgirmes erleben. Der Förderverein Römisches Forum Waldgirmes
hatte zu dem Vortrag „Waldgirmes und das römische Alltagsleben“ eingeladen. Die Referentin, Frau Prof. Dr. Anja Klöckner des Instituts für Altertumswissenschaften der
Universität Gießen, legte zu Beginn besonderen Wert auf die Tatsache, dass wir antike Gedankenmuster nie erfassen können. „Wer Archäologie unter diesem Aspekt
betreibt, wird enttäuscht“, so Klöckner. Denn die Lebensbedingungen und die sozialen Verhältnisse können wir heute nicht mehr nachvollziehen, geschweige denn, uns in
sie hinein fühlen. Daher wird Archäologie immer nur ein Kennenlernen der kulturellen Besonderheiten bleiben.
Klöckner verstand es hervorragend, die Zuhörer zu fesseln. Mit der Bedeutung der zivilen Stadtgründung um Christi Geburt, der besonderen Lage der Stadt und der
Weiternutzung als „Recycling-Zentrum“ nach 9 bzw. 16 n.Chr. erklärte Sie typisch römische Bauweisen, die sich auch in Waldgirmes fanden. „Römische Architektur war
immer sehr regelhaft“, erklärte Klöckner. Es seit demnach möglich, die Außenfassade eines Hauses nachzuempfinden, jedoch nicht die Lage und Größe der Fenster zu
bestimmen. Neben der Bedeutung des Forumsgebäudes und der Reiterstatue thematisierte Klöckner den Kaiserkult. Sie ist sicher, dass in Waldgirmes eine Kaiserstatue
gestanden haben muss, denn Waldgirmes wurde neu gegründet. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass lediglich verdiente Bürger abgebildet waren, wie es in anderen Städten
auch üblich war.
Vom Forum ging die Reise weiter durch die Stadt. Handel, Handwerk und „Tabernae“ (Schankstuben) waren in sogenannten Portikus-Bauten untergebracht, die in Waldgirmes
ebenfalls existierten, wie die Grabungsleiter Dr. Becker und Dr. Rasbach anhand Erdverfärbungen nachweisen konnten. Auch Brunnenfunde sind stets besonders interessant
für die Archäologen. Denn Lebensmittelreste der Römer bleiben in Spuren erhalten. „Daher wissen wir“, so Klöckner, „dass heutige einheimische Früchte, wie Pflaumen
oder Kirschen von den Römern eingeführt wurden.“
Während des Ausflugs in den römischen Alltag fand die römische Kleidung ebenfalls ihren Platz im Vortrag. Zunächst theoretisch erklärt zeigten zwei Frauen des
Fördervereins römische Kleidungsstücke. So wurde eine römische Ehefrau mit einer Tunika, einer Stola und einer Palla ausgestattet. Erst ordentlich gekleidet durfte
sie das Haus verlassen. Neben der zivilen Kleidung war das römische Militär ein fester Bestandteil einer Siedlung wie Waldgirmes. Mit den beiden Studenten Leon
Schmieder und Pascal Schubert, beide erfahren auf dem Gebiet der experimentellen Archäologie, erklärte sie im lockeren und kurzweiligen Dialog die Besonderheiten des
Lebens der römischen Soldaten. Sie zeigten einen Segmentpanzer und ein unfertiges Schild, beides haben sie selbst hergestellt. Doch der Höhepunkt war der Aufmarsch
der Legio I GERMANICA. Fünf Legionäre betraten in kompletter Ausrüstung den Vortragsraum – sicher eine eindrucksvolle Überraschung für die Besucher. Nach einigen
Fotos mussten diese Rede und Antwort stehen. Hier wurde deutlich, dass die Legionäre sich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigen und über hohes Fachwissen verfügen.
So ging der Vortrag in eine durchaus gewollte Diskussion über.
Der erste Vorsitzende Wilfried Paeschke äußerte sich nach ca. 2 Stunden begeistert über den guten Besuch der Veranstaltung und dankte Frau Prof. Dr. Klöckner für den
sehr lebendigen und anschaulichen Vortrag. Der Förderverein sei froh über den Ablauf dieser Veranstaltung und geht auch weiterhin positiv in die Zukunft mit
interessanten Projekten und Vorhaben.
Prof. Lelgemann nahezu sicher: Mattiacum ist antikes Waldgirmes
Mit freundlicher Unterstützung des Wetzlarer Unternehmens Helmut Hund GmbH und des Waldgirmeser Elektronikhandels Johannes Christ fand am 15. April der wissenschaftliche Vortrag „Mattiacum – das antike Walgirmes“ statt. Rund 300 interessierte Besucher waren der Einladung des Fördervereins Römisches Forum Waldgirmes in die Lahnauhalle Walgirmes gefolgt. Prof. Dr.-Ing. Dieter Lelgemann der technischen Universität Berlin erläuterte, dass erst seit wenigen Jahren durch aufwändige rechnerische Leistung die Entzerrung antiker Daten und deren Übertragung in ein modernes Koordinatensystem möglich ist. Die Ergebnisse veröffentlichte Lelgemann als Co-Autor 2010 in seinem Buch „Germania und die Insel Thule: Die Entschlüsselung von Ptolemaeos' Atlas der Oikumene“. Der griechische Bibliothekar Ptolomaeus (ca. 100-175 n.Chr.) benannte ca. 6.400 Orte weltweit durch geografische Koordinaten. Dabei stützte er sich auf militärische Landesvermessungen des Altertums, hinterlegt in der antiken Bibliothek in Alexandria. Doch eine Karte zeichnete er nicht, seine Angaben erfolgten numerisch. Diese waren jedoch teilweise so stark verzerrt, dass eine Zuordnung zu aktuellen archäologischen Fundstätten bisher nicht möglich war. Lelgemann erläuterte in einem eher technisch-wissenschaftlich geprägten Vortrag die Forschungsarbeit seines interdisziplinären Autorenteams. Das Ergebnis: eine entzerrte Karte der Germania Magna mit einer Abweichung von +/- 15 km. Bei einen der dadurch „entschlüsselten“ Orte handelte es sich um das antike „Mattiacum“, welchen das Autorenteam „messtechnisch“ geographisch zunächst in Naunheim platzierte. Eine Wertung zwischen der dort lokalisierten germanischen Siedlung und der in direkter Nachbarschaft liegenden römischen Ansiedlung bei Waldgirmes wurde anfangs in Unkenntnis deren Bedeutung nicht vorgenommen. Prof. Lelgemann ist sich jedoch zwischenzeitlich zu 99% sicher, dass es sich bei Mattiacum um die antike römische Siedlung bei Waldgirmes gehandelt haben muss, zumal der germanische Volksstamm der Mattiaker zu Zeitenwende in dieser Region anzusiedeln sei. Lelgemann verweist darauf, dass seine Arbeit lediglich Anhaltspunkte für weitere Forschungen der Archäologen bildet. Denn nur durch Funde können die errechneten Daten der antiken Orte bewiesen werden. Die Geschichte der römischen Stadtgründung in Waldgirmes bleibt ein spannendes Thema. Dies zeigte die sich an den Vortrag anschließende Diskussion, wenn auch der Vortrag ein eher technisch interessiertes Publikum ansprach. Interessierte sind herzlich dazu eingeladen, sich im Diskussionsforum des Fördervereins auch weiterhin über den antiken Namen von Waldgirmes auszutauschen.
Am 14. Dezember 2010 hatte der Förderverein zu der Buchpräsentation „Kontaktzone Lahn“ mit den Herausgebern Dr. Armin Becker, Dr. Gabriele Rasbach und Prof. Dr. Kai Ruffing in die Geschäftsstelle eingeladen. Für die Moderation konnte Prof. Dr. Christoph Schäfer der Universität Trier gewonnen werden.
Der erste Vorsitzende des Fördervereins Wilfried Paeschke begrüßte die Besucher der Veranstaltung. So waren Dr. Vera Rupp vom Landesamt für
Denkmalpflege, Hermann Spory vom Magistrat Wetzlar, Vertreter von befreundeten Vereinen und einige Lahnauer Bürger der Einladung zu der Veranstaltung gefolgt.
Nach einer kurzen Vorstellung des Moderators durch den Grabungsleiter Dr. Armin Becker referierte Prof. Schäfer zunächst über die „Germanen“ als
Konstrukt Caesars. Denn im heimischen Raum waren viele „germanische“ Stämme angesiedelt, welche er als kulturell hochinteressantes Gemisch mit autonomen und
flexiblen Entscheidungen bezeichnete.
Die Strategie der Römer war nicht die der Eroberung (Romanisierung), sondern eher eine römische Durchdringung der Gegend und Anpassung an örtliche Gegebenheiten (Romanisation), so der Präsident der Varusgesellschaft. Er bezeichnet Waldgirmes neben Kalkriese als wichtigsten Fundplatz für seine These. Der Aufbau einer zivilen Siedlung bedeutete schon damals einen hohen Verwaltungsaufwand, daher sei der Fund der Siedlung in Waldgirmes schon etwas Besonderes.
Nach Prof. Schäfer spricht mittlerweile einiges dafür, dass die Aufgabe der Siedlung nicht im Kontext mit der Varusschlacht zu sehen ist – dieses sei eher ein Geschehen mit regionalen Auswirkungen – sondern von einer Meuterei der hier ansässigen Legionen herrührt. Dies belegen gefundene Bronzefragmente der Reiterstatue unterhalb einer Straße römischen Ursprungs innerhalb der Siedlung in Waldgirmes.
Prof. Schäfer, welcher seit 2008 Alte Geschichte in Trier lehrt, rekonstruierte bereits drei Flusskriegsschiffe, unter anderem die „Victoria“. Er betonte die hohe Relevanz der Fluss-Transportwege. Jedes schiffbare Wasser wurde genutzt, seine Forschungen ergaben, dass die Schiffbarkeit bei voller Beladung schon ab etwa 45 cm Tiefgang gewährleistet sei. Daher ist die Lahn als Transportweg als ebenso bedeutsam wie die Lippe (Haltern) zu bewerten.
Mit dieser Einschätzung leitete Prof. Schäfer die Vorstellung des Buches „Kontaktzone Lahn“ ein. Das Buch beinhaltet eine Sammlung von Referaten zur Untersuchung von Kulturkontakten von Kelten, Römer und germanischen Stämmen. Das Buch enthält Studien zum Kulturkontakt zwischen Römern und germanischen Stämmen und ist eine Sammlung der wichtigsten Beiträge der Marburger Tagung „Kontaktzone Lahn – Begegnung dreier antiker Kulturen Römer – Germanen – Kelten“ aus dem Jahr 2006. Bis zur Bucherscheinung wurden von den jeweiligen Autoren die Beiträge aktualisiert. Thematisiert wurden u.a. der Austausch mit den Einheimischen, die Auseinandersetzung damit, ob die Römer Feinde oder Partner waren, regionale Differenzierungen im kulturellen Austausch, die Rolle der Religion, die logistischen Voraussetzungen in Waldgirmes, die Ernährung der Germanen und nicht zuletzt die Diskussion um den historischen und dem modernen Germanen-Begriff.
Prof. Schäfer betonte noch einmal die große Bedeutung der Funde in Waldgirmes und sieht große Chancen in der weiteren Erforschung nach dem 2.000 jährigen Ereignis der Varusschlacht. Mit seinen Worten „Trier hat viel, aber wir schauen manchmal neidisch nach Waldgirmes“ beendete er die Präsentation.
Das Buch „Kontaktzone Lahn“ aus dem Harrassowitz Verlag Wiesbaden ist in der Geschäftsstelle des Fördervereins in Waldgirmes und im Buchhandel erhältlich.
So römisch ist das deutsche Recht
Am Donnerstag, dem 5. August 2010, fand um 19.00 Uhr in der
Geschäftsstelle des Fördervereins, Lahnau-Waldgirmes, Georg-Ohm-Str. 2,
ein Vortrag zum Thema „Römisches Recht“ statt.
In einem lockeren und kurzweilig gestalteten Vortrag wurde von den Rechtsanwälten Dr. Weller und Uffeln vom Europäischen Institut für Ehrenamt der geschichtliche Überblick zum Thema des römischen Rechts und der Gerichtsbarkeit vorgestellt. Dabei wurden überraschende Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zum heutigen Recht in den Bereichen Eigentum und Besitz sowie Bürgschaft und Ehe aufgezeigt. In einer anschließenden Diskussion beantworteten die beiden Fachanwälte gerne die Fragen der Zuhörer.
Förderverein Römisches Forum Waldgirmes e.V. - 35633 Lahnau - Georg-Ohm-Str. 2
Öffnungszeiten der Geschäftsstelle: Montag-Freitag 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr und 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr
Tel: 06441/65240