Der Bestand an Glasfunden hat sich 1996 und 1997 durch einige ausgefallene Stücke vermehrt: Zu nennen sind ein Fragment
einer mehrfarbigen Glasmosaikschale, eine Glasgemme, eine Scherbe eines blauen Balsamariums, diverse Spielsteine und vier
Glasperlen. Drei Perlen sind in Machart und Farbgebung sehr ähnlich; auf die jeweils dunkle Matrix sind weiße oder gelbe Glasfäden aufgelegt. Außerdem zeichnen sich diese Perlen durch Einkerbungen an den Seitenflächen aus, die an Melonenperlen erinnern.
Eine Besonderheit ist die vierte Perle: Es handelt sich um eine rund 1,5 cm große Mosaikglasperle, für die bisher keine direkten Vergleichsstücke bekannt sind. In die hellblaue opake Matrix der Perle sind drei Bilder des ägyptischen Stiergottes Apis eingelegt, die durch drei einfarbige hellgrün-opake Glasplättchen getrennt sind. Die Apis-Bilder haben eine Größe von etwa 0,9x0,7 cm und sind teilweise Herstellungsbedingt etwas verzogen. Der schwarz-weiß-gefleckte Stier steht in einem gelben Rahmen vor hellblauem Hintergrund, eine Darstellungsweise, die an einen Schrein erinnert. Apis trägt die Sonnenscheibe zwischen den Hörnern. Vor ihm steht ein kleines Räuchergefäß oder ein kleiner Altar, auf dem ein Opfer verbrannt wird. Insgesamt ist die Perle ausgezeichnet erhalten. Sie stammt aus der jüngsten Verfüllschicht des Ost-West-verlaufenden Wassergrabens zutage.
Von einer anderen Stelle desselben Befundes stammt eine Gemme aus mehrschichtigem Glas mit einer Niobiden-Darstellung. Die Grundfarbe der Glasgemme ist ein transluzides Hellblau, das im Wechsel mit opaken weißen und gelben Glasschichten die Gemme dunkelblau und grün erscheinen läßt. Das auf der Gemme dargestellte Bildschema zeigt, nach der Interpretation von G. Hafner, die Niobide Chloris, die einen ihrer toten Brüder in den Armen hält.
Eine weitere Besonderheit ist eine völlig unversehrte silberne Scheibenfibel mit Scharnierkonstruktion. Auf die silberne Grundscheibe von etwa 3 cm Durchmesser ist, gehalten durch einen Mittelnit, eine filigrane Silberblecharbeit in Form von acht sich aufwölbenden Lotusblättern aufgesetzt. Der Nit wird auf der Schauseite überdeckt von einem roten Stein, vermutlich Bernstein. Die Lotusblätter sind mit dreieckigen blauen und grünen Glaseinlagen geschmückt. Eine Scheibenfibel dieser Form, Qualität und Zeitstellung ist bisher im hunderte von Stücken zählenden Fundbestand der frühen Kaiserzeit etwas Einmaliges.
Ebenfals ein ungewöhnliches Fundstück ist ein 1,8 cm großer Anhänger aus Silber. Er ist aus einem Stück gearbeitet und hat eine langgestreckt pyramidale Form mit glatten Seitenflächen und einer durch eine kleine Waagerechte Querplatte abgesetzten Öse. Die Öse ist auf der Außenseite durch einfache, teils nur noch schwach erkennbare, quer zur Öse verlaufende Punzeinschläge verziert.
Ein weiteres außergewöhnliches Fundensemble wurde aus einer Grube geborgen, in die, wie die Bodenverfärbungen zeigten, ein Faß eingelassen war. Zwischen Grubenwand und Faß lagen drei Perlen: eine ringförmige Bernsteinperle, eine profilierte, ringförmige aus Bronze und eine dunkelblaue Glasperle, die mit aufgelegten Goldblechstreifen verziert ist. In dem durch die Goldstreifen gebildeten Gitter befinden sich Kreisaugen. Bei genauer Betrachtung der Glasperle sind rund um die Lochung sowie im innern des Fadenlochs Streifen verschiedener Farbe zu erkennen. Die dunkelblaue Glasmasse wurde also auf ein nasses Stäbchen aus weißen und blauen Glasstreifen aufgewickelt, wobei das Wasser während dieses Arbeitsganges verdunstete und zu dieser Glasveränderung führte. Danach wurden in die noch weiche Glasmasse Streifen aus Goldblech eingedrückt, was sehr gut an Stellen zu erkennen ist, wo das Goldblech ausgefallen ist.
Die Datierung der Siedlung basiert auf den Bronzemünzen, unter denen Asse der wohl zwischen 7 und 3 v. Chr. geprägten 1. Altarserie von Lugdunum-Lyon mit einem Anteil von 70 % deutlich überwiegen. Das Ende von Waldgirmes wird durch Münzen mit dem Gegenstempel des Publius Quinctilius Varus markiert und ist mit dem Schlachtfeld von Kalkriese und der Aufgabe von Haltern als gleichzeitig anzusehen. Gegenwärtig erscheint das Datum 9 n. Chr. nach wie vor als der wahrscheinlichste Zeitpunkt. Die Gründung von Waldgirmes dürfte auf Grund des geringeren Anteils der älteren Nemaususprägungen unter den Fundmünzen etwas später als Haltern erfolgt sein. Die Aussagen zum Siedlungsbeginn können jedoch seit 2005 durch dendrochronologische Daten präzisiert werden (siehe Wasserversorgung).
Förderverein Römisches Forum Waldgirmes e.V. - 35633 Lahnau - Georg-Ohm-Str. 2