Gießener Anzeiger

Dienstag, 23. Dezember 2008

Mehrheit stimmt für "große Lösung"

Römerforum Thema im Parlament – Partner für Umsetzung und Finanzierung suchen

LAHNAU (agr). Auch in der jüngsten Sitzung des Lahnauer Parlaments waren das Römerforum und die damit verbundene Machbarkeitsstudie Thema. Im September hatte Professor Dieter Haselbach, Geschäftsführer der ICG culturplan Unternehmungsberatung aus Berlin, den Gemeindevertretern die Machbarkeitsstudie "Archäololgischer Park Waldgirmes" vorgestellt und darin eine "große Lösung", also eine erhebliche touristische Erschließung des Geländes, favorisiert. Die von ihm genannten Kosten von rund 18 Millionen Euro hatten auf mehr als einen Gemeindevertreter aus allen Fraktionen sehr abschreckend gewirkt, auch wenn stets betont wurde, dass die Gemeinde diese Summe natürlich nicht alleine stemmen müsse (der Anzeiger berichtete).

Kritik zurückgezogen

Hatten zunächst Grüne und CDU noch gemeinsam eine Nachbesserung der Studie gefordert, da diese nicht die vom Parlament angeforderten drei Varianten enthalten hatte (kleine, mittlere und große Lösung), so stand die CDU-Fraktion in der jüngsten Sitzung mit dieser Forderung alleine. Nachdem Haselbach im Ältestenrat noch einmal seine Ausführungen und Einschätzungen erläutert hatte, hatten die Grünen ihre Kritik zurückgezogen. Für die CDU hielt jedoch Reiner Mayenschein die Bedenken aufrecht und kritisierte nicht nur die fehlenden Varianten, sondern auch eine fehlende Antwort auf die Frage, wer denn die zu erwartenden rund 300 000 bis 500 000 Euro Defizite im Jahr, die in der Studie errechnet worden waren, bezahlen solle, wenn es denn tatsächlich zum Bau des Archäologischen Parks käme.

Gerade aber um die Kostenübernahme und die Finanzierung drehte sich ein Antrag der SPD, der vorsah, potenzielle Geldgeber und Beteiligungen für den Park zu gewinnen. Dafür sei jedoch eine notwendige Voraussetzung, so Bürgermeister Eckhard Schultz, dass sich auch die Gemeinde selbst engagiere, angefangen bei einer Verkehrserschließung mit der damit verbundenen Bauleitplanung. Brigitte Sauter-Hill (Grüne) erinnerte an die Vorgabe von Regierungspräsident Wilfried Schmied beim Runden Tisch zum Thema Römerforum, dass man in Lahnau den ersten Schritt machen müsse, damit andere mit der Gemeinde zusammenarbeiten können.

Auch Michael Mondré (CDU) war klar, dass ein derartiger Ausbau des Forums nicht zum Nulltarif zu bekommen sei. Er sah jedoch keinen nennenswerten Vorteil in einer derartigen Investition und bezweifelte, dass die Lahnauer Gastronomie von der Entwicklung profitieren würde. Stattdessen werde das Geld nur in den Einrichtungen des Forums bleiben. Zudem kritisierte Mondré, dass die „große Lösung“ beraten werde.

SPD, Grüne und auch die Freien Wähler waren sich jedoch einig, dass die von Haselbach in der Studie kurz angerissene „kleine Lösung“, die letztlich nur den Ist-Zustand erhalte, "nicht viel bringt". Holger Wörner (FW) sah dennoch den SPD-Antrag als verfrüht an, da die Gemeindevertretung bisher noch keine konkrete Entscheidung zum Römerforum gefällt habe. "Das Parlament muss entscheiden, ob klein oder groß. Alles andere ist Herumgeeiere um des Kaisers Bart", brachte er die Sache auf den Punkt.

Mit den Stimmen von SPD, Grünen und Freien Wählern wurde schließlich der Beschluss verabschiedet, dass die Gemeinde zukünftig die "große Lösung" verfolgen wird. Der Gemeindevorstand wurde beauftragt, nach Partnern für die Umsetzung und Finanzierung zu suchen. Über die Ergebnisse dieser Suche soll dann der Bürgermeister in der Gemeindevertretung berichten. Eine Nachbesserung der Machbarkeitsstudie, wie sie von der CDU-Fraktion gefordert wurde, lehnte hingegen die Mehrheit der Gemeindevertretung ab.