Wetzlarer Neue Zeitung

09.09.2008

Hoffen auf weitere Grabung

Information zum Römer-Forum / Gedenken an Schlacht

Lahnau-Waldgirmes (mo). "Der sehr gute Besuch heute Abend zeigt erfreulicherweise, dass das Geschehen um das Römische Forum auch hier in Waldgirmes und Lahnau immer mehr in unser Bewusstsein transportiert wird". Dies hat Lahnaus Bürgermeister Eckhard Schultz (SPD) gesagt, der zusammen mit dem Geschäftsführer des Fördervereins Römisches Forum, Peter Schepp, und Grabungsleiter Armin Becker über 100 Besucher im Dorfgemeinschaftshaus in Waldgirmes begrüßte.

Vor dem Hintergrund, dass sich am 15.September auch die Parlamentarier mit der Zukunft der Grabungen beschäftigen, gaben die Experten den Lahnauern einen Überblick über die Fundstelle.

Peter Schepp erklärte, dass die Funde, deren Grabung 1993 begann, als älteste römische Stadtgründung östlich des Rheins gelten.

Gerda Wellers Keramik-Funde lösten die Grabungen nach dem Forum aus

"Wer weiß, was aus diesem interessanten Beginn einer Stadtgründung geworden wäre, so ist auch Trier entstanden, doch die Geschichte hat es anders gewollt", so Armin Becker.

Der Grabungsleiter zeigte geschichtliche Hintergründe, wies dabei auch auf ein 21 Hektar großes römisches Marschlager bei Dorlar hin, wo die Truppen in Zelten untergebracht waren und zeigte Fundstellen auch über das 2200 Quadratmeter große, über steinernen Fundamenten errichtete Forum hinaus. Das Forum verweise deutlich auf die zivile Nutzung der Anlage. Es sei drei Jahre vor Christus entstanden und im Jahre 9 n. Chr. nach der verheerenden Niederlage der Truppen des römischen Statthalters Varus durch die Truppen des Cheruskerfürsten Arminius in der Schlacht bei Kalkriese im Teutoburger Wald wieder aufgegeben worden. Gerda Weller war es, die bei Feldbegehungen seit 1990 am nordwestlichen Ortsrand von Waldgirmes römische und germanische Keramik aus der Zeit um Christi Geburt fand.

Die Interpretation als Stadtgründungen basiert vor allem auf dem Grundriss eines über 2000 Quadratmeter großen Gebäudes im Zentrum der Anlage, das auf steinernen Fundamentmauern errichtet wurde. Auf Grund vergleichbarer römischer Bauten in Italien und Frankreich wird der Bau als Forum interpretiert. Diese Gebäude waren in antiken Städten Sitz der Selbstverwaltung und dienten als Markt- und Gerichtsgebäude.

"Die Ausgrabung in Lahnau-Waldgirmes ist für die Beurteilung der augustinischen Germanienpolitik, ihrer Zielsetzung und konkreten Umsetzung von herausragender Bedeutung und gehört zusammen mit den Grabungen bei Kalkriese, dem wahrscheinlichen Ort der Varusschlacht, zu den bedeutendsten Fundplätzen dieser Epoche in Deutschland," so Becker abschließend.

Die Frage wie und ob es mit den Grabungen weitergeht, beantwortete Becker so: "Ich gehe davon aus, dass 2009 noch weiter gegraben wird und dass uns die Deutsche Forschungsgemeinschaft weiter die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen kann."

Genannt wurde auch ein Termin in 2009. Am 9. Und 10. Mai wird in Waldgirmes als einzigem Ort in Hessen der Schlacht im Teutoburger Wald gedacht.