Gießener Anzeiger
Freitag, 25. Juli 2008
"Der Dünsberg ist bis heute geheimnisvoll"
"Barbaren und Römer zwischen Limes und Lahn" lautet der Titel einer Führung durch das Gießener Umland – Premiere
GIESSEN (jos). Kelten und Römer haben im Gießener Umland einzigartige Spuren hinterlassen. "Barbaren und Römer zwischen Limes und Lahn" lautet deshalb auch der Titel einer Führung, die am Sonntag, 3. August von der Gießen Marketing GmbH angeboten wird. Dennis Stephan nimmt die Exkursionsteilnehmer dabei auf einen ganztägigen Ausflug zur einstigen keltischen Stadt am Dünsberg, in die römische Stadt Lahnau-Waldgirmes und nach Lich-Arnsburg, wo die Römer ein Limeskastell errichtet hatten.
Archäologische Forschungen zeigten, dass vor rund 2000 Jahren eine keltische Großstadt auf dem Hausberg der Biebertaler lag. Anhand der Grabungsstätte wird der Archäologe Dennis Stephan die Teilnehmer mitnehmen zu einer Reise in die keltische Vergangenheit des Gießener Umlandes, schildert er im Gespräch mit Journalisten. So steht die Besichtigung der Wall- und Toranlage auf dem Programm. Anhand des rekonstruierten Wasserbeckens wird er erläutern, wie die Wasserversorgung der Stadtbevölkerung organisiert war. Der "krönende Abschluss", so der Archäologe, sei der Besuch des keltischen Museums "KeltenKeller" in Rodheim, um die besondere Rolle der Kelten, insbesondere als Gegner Roms, in der Geschichte besser zu verstehen. Stephan war selbst an den Ausgrabungen auf dem Dünsberg beteiligt, er hat dort nach eigenen Aussagen sein "Handwerk erlernt".
Eine weitere Besonderheit des Dünsbergs ist, dass es nördlicher des Mains keine weitere keltische Siedlung gab. "Der Dünsberg ist bis heute geheimnisvoll", verspricht der Exkursionsleiter. So gäbe es keine Antwort auf die Frage, warum und wie die stadtartigen Strukturen auf dem Dünsberg zusammengebrochen sind.
Nach der Besichtigung geht die Fahrt weiter nach Lahnau-Waldgirmes. Wie die keltische Höhensiedlung auf dem Dünsberg ist die frührömische Stadt in Waldgirmes noch nicht lange bekannt. In den 1990er Jahren entdeckten Hobbyarchäologen Überreste einer Siedlung, die eine der ersten römischen Stadtgründungen in barbarischem Gebiet darstellt. Sie wurde im ersten Jahrzehnt vor Christus unter dem vor allem aus der Bibel bekannten Kaiser Augustus gegründet. Da der Limes erst in den 80er Jahren nach Christus gebaut wurde, war die römische Stadt in Waldgirmes lange vor ihm da. Allerdings hatte sie nur knapp 16 Jahre Bestand. Das Ende der Römer-Stadt fiel in die Zeit der Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus. Das Warum ist auch hier noch nicht geklärt. Es seien noch zahlreiche Fragen offen, so der Archäologe, die möglicherweise durch die laufenden Ausgrabungen geklärt würden. Spektakulär ist die Tatsache, dass die Stadt über keinerlei militärische Sicherung verfügte und, da es kein Römerlager in der Nähe gab, "einsam im barbarischen Land" lag; eine Umkehrung der Situation bei "Asterix und Obelix".
Auf den Spuren der Archäologen wird Stephan die Exkursionsteilnehmer durch die Anlage führen. So werden sie erfahren, wie prunkvoll die Stadt ausgestattet war, was insbesondere an den beeindruckenden Steinmauern zu erkennen sei.
Anschließend führt die Exkursion nach Lich-Arnsburg, das heute für das Zisterzenser Kloster bekannt ist. Dass vor den Zisterziensern die Benediktiner dort ein Kloster gründen wollten, sei wenig bekannt, so Stephan. Primär geht es bei der Führung in Arnsburg allerdings angesichts des Themas der Exkursion um das dortige Limes-Kastell, in dem rund 100 Legionäre untergebracht waren. Das Kastell sei zwar noch nicht ausgegraben, doch Luftbildaufnahmen, Schilder und die eigene Phantasie sollen einen Eindruck von der Anlage vermitteln. Zu Zeiten der Römer gab es dort sogar eine Arena, in der die bekannten Gladiatorenkämpfe ausgetragen wurden. Ein großes Gästehaus weist darauf hin, dass häufig Besucher nach Arnsburg kamen. Die Grabungen seien auch hier noch nicht abgeschlossen.
Em Ende der Reise in die keltische und römische Vergangenheit steht ein keltisches Bankett im Landhaus Klosterwald. Dort gibt es Gerichte, die die Kelten aßen. Auch für Vegetarier ist etwas dabei. Das keltische Essen sei bei der Probeexkursion im Mai das „absolute Highlight“ gewesen, berichtete Sadullah Gülec, der Geschäftsführer der Gießen Marketing GmbH. Die Probeexkursion sollte zeigen, ob Interesse an einem solchen Angebot bestünde. „Die Erfahrungen waren sehr gut, deshalb finden nun weitere Führungen statt.“ Geplant sei außerdem, die Exkursion zu einem Angebot für Reisende von auswärts zu machen, um die touristischen Potenziale der Umgebung zu nutzen. Vor zwei Jahren wurde der Limes von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Damit einher gehe der Auftrag zu touristischen Maßnahmen.
Anmeldung erforderlich
Am 3. August führt Dennis Stephan vom Dünsberg über Waldgirmes nach Arnsburg. Die Teilnahme kostet 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Das keltische Essen ist im Preis nicht enthalten. Wer deshalb lieber Proviant von zu Hause mitnehmen möchte, sei nicht zur Einkehr verpflichtet. Mit dem Bus fährt die Gruppe um 10 Uhr an der Haltestelle Südanlage vor der Johanneskirche in Fahrtrichtung Elefantenklo los. Die Rückkehr ist gegen 17 Uhr geplant. Die Veranstalter bitten die Teilnehmer, feste Schuhe und wettergerechte Kleidung mitzubringen. Eine Anmeldung ist erforderlich entweder per Telefon unter der Nummer 0641/9751160 oder per Anmeldeformular im Internet unter www.giessen-tourismus.de.