Römisches Forum Waldgirmes: Minister Corts ruft zum "Runden Tisch" auf
Infrastrukturelle Maßnahme von großer Bedeutung für den lokalen und regionalen Tourismus

(wf). Für den Förderverein Römergrabung in Waldgirmes und das Gesamtanliegen der seit gut zehn Jahren andauernden archäologischen Grabung am Ortsrand von Waldgirmes war der Besuch von Hessens Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts (CDU), am 26. Juli 2006 von besonderer Wichtigkeit.
Wie der heimische CDU Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Irmer, der am Zustandekommen der ministeriellen Visite entscheidend beteiligt war und der den Minister begleitete, ließ Corts großes Interesse an einem gedeihlichen, zielführenden und ergebnisorientierten Fortgang der Grabungen erkennen.
Damit es zu einer Sicherung und Präsentation der unter lokal- wie regionaltouristischen Gesichtspunkten bedeutungsvollen Funde kommen kann, berieten Vertreter des Fördervereins Römergrabung (Erwin Schmidt), der Gemeinde Lahnau (der Beigeordnete und Bürgermeistervertreter Dieter Schmidt), des Lahn Dill-Kreises (l. Beigeordneter Wolfgang Hofmann), des Landesamtes für Denkmalpflege (die stellvertretende Landesarchäologin Vera Rupp) sowie die verantwortlichen Archäologen Professor Dr. Siegmar Freiherr von Schnurbein, Dr. Armin Becker und Dr. Gabriele Rasbach den aktuellen Stand der Dinge.
Da dieser aktuelle Stand der Dinge wie seit sieben Jahren schon von Spannungen, Missverständnissen und Misshelligkeiten zwischen Förderverein und Gemeinde nicht frei ist, riefen Corts und Irmer alle Beteiligten auf, sich an einen Tisch zu setzen, einen "Runden Tisch" zu bilden, um die Differenzen zu beseitigen und künftig gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Der Minister bat darum, vom Ergebnis dieses "Runden Tisches" unterrichtet zu werden. Erwin Schmidt, Geschäftsführer des Fördervereins, nannte als eine der jüngsten Komplikationen "bürokratische Formalitäten". Dahinter verbirgt sich die Entscheidung des Bauausschusses der Gemeindevertretung, für 20.000 von insgesamt 50.000 Euro, die im Haushalt 2006 für Zwecke der Grabung/Herrichtung der Präsentationsanlage eingestellt sind, den Sperrvermerk nicht aufzuheben. Das Geld sollte in den Aufbau/Nachbau des Römischen Forums fließen.
Die von Lahnaus Bürgermeister Eckhard Schultz im Februar 2006 beantragte Freigabe des Geldes wurde von der Ausschussmehrheit verweigert mit dem Argument, es handele sich nicht, wie vom Rathauschef begründet, um eine "infrastrukturelle Maßnahme". Minister Corts, MdL Irmer und Kreisbeigeordneter Hofmann machten dagegen bei dem Ortstermin deutlich, dass es sich bei dem Aufbau der Forumsfundamente als Zeugen des ältesten erhaltenen römischen Gebäudes östlich des Rheins um eine im Blick auf die künftige touristische Nutzung des Areals sogar sehr bedeutende infrastrukturelle Maßnahme seitens und zugunsten der Gemeinde Lahnau handele.
Zuvor hatte Lahnaus Beigeordneter Dieter Schmidt den Werdegang der Grabung seit 1993 und seit der Gründung des Fördervereins 1995 anhand von Zahlen und Daten geschildert. Von den in den vergangenen zehn Jahren für die archäologische Grabung, insgesamt verausgabten knapp 1,7 Millionen Euro trugen die Deutsche Forschungsgemeinschaft 30 Prozent, die Römisch Germanische Kommission Frankfurt 27, das Land Hessen 23, die Gemeinde Lahnau neun und der Lahn Dill Kreis drei Prozent. Die 107.000 Euro, die der Förderverein Römergrabung beisteuerte, entsprechen sechs Prozent der Gesamtkosten.
Professor Dr. Siegmar Freiherr von Schnurbein hob zum wiederholten Male die ganz besondere Bedeutung des Grabungsplatzes Waldgirmes hervor: "In Waldgirmes ist handgreiflich zu sehen, was Rom in die Gründung einer Stadt, die Verwaltungssitz werden sollte, investiert hat."
Für den Förderverein hatte Minister Udo Corts die erfreuliche Nachricht, dass die bisher aus der Landeskasse zur Unterstützung der wissenschaftlichen Grabung nach Waldgirmes geflossenen jährlich 20.000 Euro Fördermittel auch künftig zur Verfügung stehen werden. Als kleines Zubrot sagte Corts die Übernahme von 5000 Euro aus Lotto Verfügungsmitteln zu, mit denen der Förderverein ganz aktuell bei der Bank in der Kreide steht.
Wenn möglich, soll die Präsentationsanlage bis Herbst 2006 vollständig umgesetzt sein und die Fundamente des 44 Mal 46 Meter großen Forumsgebäudes einschließlich der in seinem Innenhof einst aufgestellten lebensgroßen Reiterstatue des Kaisers Augustus in einer besonderen Feierlichkeit, zu der sich zur Freude der Beteiligten der Minister ganz spontan selbst einlud, der Öffentlichkeit vorgestellt werden.