Eine Aufgabe von nationaler Bedeutung
Förderverein für archäologische Forschungen am Römerlager hat mit Aufbau der Steinfundamente des Forums begonnen

LAHNAU (hks). Eine Aufgabe von "nationaler Bedeutung". So charakterisierte Prof. Dr. Hans-Markus von Kaenel vom Institut für archäologische Wissenschaften der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität die Forschungen am römischen Forum in Waldgirmes. Nach wissenschaftlicher Beurteilung der bisherigen Grabungsergebnisse handelt es sich um die älteste zivile Stadt der Römer in Germanien nördlich der Alpen und östlich des Rheins.
Der Förderverein für archäologische Forschungen am Römerlager, der die Grabungen auf der Basis von Spenden und öffentlichen Zuschüssen finanziert, hat mit dem Aufbau der Steinfundamente des Forums begonnen. Wie Geschäftsführer Erwin Schmidt gestern mitteilte, sollen die Ergebnisse am 19. Juni einem geladenen Kreis von rund 70 Politikern, darunter Wissenschaftsminister Udo Corts und Regierengspräsident Wilfried Schmied, in einer Art Richtfest vorgestellt werden.
In einer Expertise zur wissenschaftlichen Bedeutung des römischen Stützpunktes spricht Prof. von Kaener von "einer archäologischen Sensation europäischen Ranges, welche die Germanienpolitik Roms unter Kaiser Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) in einem neuen Licht erscheinen lässt".
Die Innenbebauung weiche entscheidend von der eines römischen Militärlagers ab: "Im Zentrum konnten die Archäologen einen großen repräsentativen öffentlichen Gebäudekomplex, ein Forum, frei legen. Er besteht aus einem 32 auf 24 Meter messenden, von Hallen umgebenen Platz, auf dem ein vergoldetes Standbild des Kaisers und eventuell weitere von Angehörigen seiner Familie standen". Die das Forum nach Norden hin abschließende Querhalle sei doppelt so breit wie die anderen und mit Annexbauten versehen. Hier seien die Amtslokale der römischen VerWaltung zu lokalisieren. Von Kaenel.: "Die Römer haben in Wa1dgirmes ganz offensichtlich eine Stadt gegründet, von der aus das umliegende Gebiet nach römischen Vorstellungen erschlossen und verwaltet werden sollte, wo Märkte abgehalten wurden und wo sich spezialisiertes Handwerk entwickeln konnte". Die Römer hätten sich in den Jahren um Christi Geburt in Waldgirmes festgesetzt, jedoch die Stadt schon rund zehn Jahre später wieder aufgegeben. "Grund dafür scheint der Paradigmenwechsel in der römischen Germanienpolitik gewesen zu sein, der nach der Niederlage des römischen Statthalters P. Quinctilius Varus im Teutoburgerwald im Herbst des Jahres 9n. Chr. noch von Kaiser Augustus eingeleitet wurde", so der Wissenschaftler.
In der römischen Stadt Waldgirmes sei nicht nur der älteste öffentliche Gebäudekomoplex nördlich der Alpen nachgewiesen, ihre Existenz dokumentiere zugleich exemplarisch das erprobte römische Konzept der Herrschaftsausübung und -sicherung. Kontrolle und Verwaltung eines Raumes erfolgten über die Städte, deren Teil die betreffenden Territorien waren. "Wo Rom keine urbanen Strukturen vorfand, wie eben im Gebiet der Germanen, versuchte man diese zu schaffen oder sah von einer Einbeziehung dieser Gebiete in das römische Imperium ab. Diesen Platz zu erforschen und zu schützen ist in Anbetracht seines Ranges als Denkmal der europäischen Geschichte eine Aufgabe nationaler Bedeutung", so von Kaenel abschließend.