Haus im Römerlager entdeckt
Schon eine Woche nach Beginn der Grabungssaison neue Funde in Waldgirmes
Lahnau - Waldgirmes. (ag). Vor gerade erst einer Woche hat die diesjährige Grabungssaison am römischen Forum in
Waldgirmes begonnen, und schon ist man auf die Spuren von zwei Gebäuden gestoßen.
Bereits frühzeitig hatte es Hinweise auf eine Bebauung in diesem Gebiet gegeben, berichtet Grabungsleiter Dr. Armin
Becker, "doch dass dies so deutlich kommen würde, habe ich nicht gedacht."
Deutlich lassen sich in der Erde die Grundlinien der beiden Häuser erkennen. Bisher wurde lediglich die südliche
Raumreihe freigelegt, doch wurde schon hierbei deutlich, dass es sich um eine komplexe Raumaufteilung handelt. Der Eingang
des in seiner ganzen Breite von 12,60 Metern freigelegten Gebäudes liegt nach Süden.
Mit dem neuen Fund hat sich die Zahl der Gebäude im Römerlager auf 22 erhöht
Die Gesamtfläche des Hauses wird in den nächsten Tagen freigelegt werden, sodass man erst dann über die
gesamte Größe befinden kann. Bereits jetzt lässt sich jedoch sagen, so Becker, dass es sich um kein
Militärgebäude, also keine Unterkunft für die Soldaten, gehandelt hat. Vielmehr ist davon auszugehen, wenn
die Grabungen sich weiterhin so entwickeln wie es sich im Moment andeutet, so Becker vorsichtig, dass es sich um klassische,
gehobene Wohngebäude handelt.
Die tatsächlichen Ausmaße des zweiten Gebäudes werden sich erst im nächsten Jahr bestimmen lassen, da
es sich an der westlichen Grenze des rund 4000 Quadratmeter großen diesjährigen Grabungsgeländes befindet,
und deshalb nur in Teilen ausgegraben werden kann.
Trotzdem ist Grabungsleiter Becker mit den so kurz nach Grabungsbeginn erzielten Ergebnissen hochzufrieden: "So
frühe und so deutliche Ergebnisse sind bisher selten gewesen."
Mit den neuerlichen Funden erhöht sich die Zahl der im Laufe der vergangenen Jahre bei den Grabungsarbeiten am
Römerlager gefundenen Gebäude auf inzwischen 22. Becker geht davon aus, dass wahrscheinlich das gesamte
südwestliche Viertel bebaut war. Dies treffe, folge man den Indizien, ebenfalls für das südöstliche
Viertel zu. Anhand der Auswertungen durch die Archäologen kann man erkennen, dass sich die Bebauung also vor allem auf
den südlichen Teil des römischen Forums konzentrierte, während sie nach Norden hin nicht besonders
ausgeprägt war.
Grenzt man die Zeitspanne des Bestehens des römischen Forums auf die Zeit von 4 vor bis 9 nach Christus ein, wie dies
anhand der Bestimmung der Stützbalken eines im vergangenen Jahr freigelegten Brunnens sowie zahlreicher Münzfunde
mögliche ist, müsse dort eine "rege Bautätigkeit" geherrscht haben, so Becker. Dabei gab es neben
den vielen Neubauten auch zahlreiche Abrisse und Umbauten, wie die Grabungsergebnisse belegen.
Wäre das Forum nach der Niederlage der Römer bei der so genannten Schlacht im Teutoburger Wald 9 n.Chr. nicht so
plötzlich verlassen worden, wäre wahrscheinlich auch für den nördlichen Bereich des Forums mit einer
weiteren Bebauung zu rechnen gewesen.