Förderverein hat große Pläne
Fundamente am römischen Forum in Waldgirmes schützen und Ausmaß darstellen
Lahnau - Waldgirmes (ag). Noch sind die von den Mitarbeitern an der Grabungsstelle am römischen Forum im Waldgirmes
nachgebauten Fundamente, mit denen die ganze Dimension des steinernen Verwaltungsgebäudes dieser römischen
Niederlassung dargestellt werden sollen, nur ein Provisorium. Geht es jedoch nach dem Willen der Jahreshauptversammlung des
Fördervereins für archäologische Forschungen am römischen Stützpunkt Waldgirmes wird im kommenden
Jahr eine dauerhafte Lösung angestrebt werden.
Nachdem man einsehen musste, dass die denkmalgerechte Aufmauerung, wie sie zunächst vorgesehen war, nicht zu finanzieren
ist, weil die nötigen Landesmittel hierfür nicht zur Verfügung stehen, suchte man nach anderen Wegen, diese
ehemalige zivile römische Stadtgründung für die Besucher erfahrbar zu machen.
Mehrere Jahre lang hatten Nässe und Frost an den freigelegten Fundamenten erhebliche Schäden angerichtet. Vor
allem an den kleineren Steinen waren Frostschäden und ein Schwund an der Oberfläche deutlich erkennbar. Dieser
Zustand, darin waren sich alle Beteiligten einig, durfte nicht länger anhalten, wollte man die Originalsubstanz auch
für nachfolgende Generationen erhalten.
Aus diesem Grunde fiel im April der Vorstandsbeschluss, die Fundamente fachgerecht zuschütten zu lassen. Im Juni
schien sich doch noch einmal eine alternative Lösung anzubahnen, ein Brief des hessischen Wissenschaftsministers Udo
Corts gab leisen Anlass zur Hoffnung, dass die Landesmittel im kommenden Jahr bereit gestellt werden würden (wir
berichteten). Nach Beratungen des Fördervereins mit dem Landesamt für Denkmalpflege ist das Thema Aufmauerung
jedoch inzwischen vom Tisch.
Professor Egon Schallmayer vom Landesamt machte bereits im Juni kein Hehl daraus, dass für ihn die Erhaltung der
Originalsubstanz höchste Priorität hat, damit sie auch in späteren Zeiten zu Forschungszwecken zur
Verfügung stehen wird. Dies ist aber nur möglich, indem die Fundamente fachgerecht wieder bedeckt werden. Vor der
Erstellung des Nachbaus werden die Fundamente mit einem Vlies abgedeckt und mit Sand und Erde zugeschüttet werden. Das
gesamte Gelände wird auf eine Ebene gebracht werden, wobei ein leichtes Gefälle das Ganze übersichtlicher und
für die Besucher besser erkennbar machen wird, erläuterte der Geschäftsführer des Vereins, Erwin Schmidt.
Für die neuen Mauern werden etwa 40 Zentimeter tiefe Betonfundamente gegossen, auf welche anschließend die
Kalksteine, die bisher beim Provisorium Verwendung gefunden haben, zu niedrigen Mauern gesetzt werden. Schmidt versicherte,
dass dabei ein ausreichender Abstand zu den Originalfunden eingehalten werden wird.
Bereits auf dem Grabungsgelände liegen außerdem dicke Eichenstämme. Sie werden quadratisch geschnitten und
als Pfosten auf dem Gelände aufgestellt werden. Auf diese Weise können die Besucher dann die Stärke jener
Pfosten ermessen, mit denen die Römer einst ihre Gebäude befestigt hatten und die bis zu 50 Zentimeter breit
gewesen waren. Mit diesen Pfosten, dem Mauerwerk sowie ebenfalls vorgesehenen Postamenten sollen die Strukturen des Forums
auf einer Fläche von etwa der Größe eines Tennisplatzes dargestellt werden. Unterstützt werden soll der
Effekt noch durch farbigen Kies, der die einzelnen Gebäude und Abschnitte kenntlich machen soll.
Nach dem Vorbild des Keltengehöfts in Biebertal will der Förderverein außerdem ein Gebäude errichten,
das nach außen hin im römischen Stil mit Laubengang und einer Straße mit Bachlauf erscheinen, jedoch im
Innern mit einer modernen Einrichtung versehen sein wird. Dort soll dann das Büro des Grabungsleiters ebenso
untergebracht werden wie ein Ausstellungsraum, in dem die Grabungen und die Funde erläutert werden können. Ebenso
könnten hier in Zukunft Gäste, wie die an der Grabung beteiligten moldawischen Studenten, untergebracht werden.
Auch ein Kiosk und eine Toilettenanlage sind vorgesehen. Zur Zeit stehen für all diese Zwecke mehrere orangefarbene
Container als Provisorium auf dem Gelände. Sie sind nicht nur im Sommer die reinsten Backöfen, sondern
verschandeln nach Meinung von Anwohnern und Besuchern auch das Gelände.
Wünsche an die Gemeinde Lahnau
Damit die Vorstellungen des Fördervereins für die Grabungsstelle in Waldgirmes bald in die Tat umgesetzt werden
können, richtete die Mitgliederversammlung an den Gemeindevorstand den Antrag, die bereits von der Gemeinde
beschlossene Freiflächengestaltung in diesem Sinne zu ändern. Die voraussichtlichen Kosten genaue Zahlen liegen
noch nicht vor plant der Verein größtenteils durch weitgehende Eigenleistungen zu decken. Die Kosten für den
ebenfalls vorgesehen Nachbau eines Werkstattgebäudes, so der Antrag des Vereins, mögen in den Haushalt 2006
eingestellt werden.
Ebenfalls beantragt wurde, dass die Gemeinde sicherstellt, dass die Fläche des Forums von jeglicher privaten und
kommunalen Bebauung freigehalten wird und "nur den Präsentationen der archäologischen Fundergebnisse zur
Verfügung steht".
Damit würde ein Beschluss des Parlaments vom März 2001 konkretisiert und ergänzt.
Gleichzeitig würde es für die an der Grabung Beteiligten und Interessierten eine größere Sicherheit
bedeuten, da noch immer einige der zur Forumsfläche gehörenden Grundstücke nicht im kommunalen Besitz sind.
(ag)