Streit ums Geld für den Erhalt der Funde und weitere Grabungen
Jahreshauptversammlung des Fördervereins "Römerlager"

Von Annette Greier
Lahnau - Waldgirmes (ag). Deutliche Worte wurden auf der Jahresmitgliederversammlung des Fördervereins für archäologische Forschungen am römischen Stützpunkt Lahnau-Waldgirmes ausgesprochen. Denn einerseits steht die überregionale Bedeutung des Forums außer Frage - sogar im australischen Fernsehen wurde es in einem Beitrag erwähnt, doch andererseits müssen beträchtliche Mittel aufgebracht werden, um die Grabungen, den Erhalt der Funde und den Schutz und Aufbau der Fundamente zu finanzieren.
Bevor dieses heiße Eisen angefasst wurde, ging es für die Mitglieder des Vereins zuerst einmal ins Gelände. Auf der jüngsten Grabungsfläche erläuterte Grabungsleiter Dr. Armin Becker den Stand der Dinge. Ergänzt wurden seine Ausführungen von einem Kurzfilm. Darin wurde mit einer 3-D-Animation gezeigt, wie man sich die Wiederherstellung des Hauptgebäudes - ausgehend von den freigelegten Fundamenten - vorstellen kann.
Bei einer Zusammenfassung des vergangenen Jahres merkte Geschäftsführer Erwin Schmidt positiv an, dass der Landerwerb im Bereich des Forums beinahe abgeschlossen ist. Auch mit dem Ergebnis des vor wenigen Monaten mit der Gemeinde abgeschlossenen Trägerschaftsvertrag zeigte er sich zufrieden.
Kritischer wurde es hingegen, als man zum Thema des Aufbaus der Forumsfundamente kam. Die voraussichtlichen Gesamtkosten für die denkmalgerechte Aufmauerung wurden mit etwa 270.000 Euro veranschlagt. Üblicherweise tragen die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Land und die Gemeinde je ein Drittel der Kosten.
Angesichts der Haltung, die von der Mehrheit des Parlaments in den vergangenen Monaten in Bezug auf Belange des Heimatmuseums und des Forums eingenommen wurde, will sich Schmidt jedoch nicht auf Geldmittel seitens der Gemeinde verlassen. Deshalb sucht der Verein nun nach anderen Wegen, die Summe von 90.000 Euro aufzubringen. Möglichkeiten sind ein Spendenaufruf oder Anträge beispielsweise bei der Sparkassenstiftung.
Landrat Dr. Karl Ihmels (SPD), Vorsitzender des Fördervereins, formulierte seine Kritik an der Haltung des Lahnauer Parlaments noch zurückhaltend und betonte die kulturelle Bedeutung, aber auch. die wirtschaftlichen Chancen, welche das Römerlager durch eine gezielte touristische Vermarktung bieten könnte.

Mehr Engagement von Lahnau gefordert
Regierungspräsident Wilfried Schmied (CDU) fand hingegen deutlichere Worte in Richtung Lahnaus Bürgermeister Roland Schleenbecker (parteilos): Man könne nur dann etwas aufbauen, wenn Unterstützung von der Gemeinde komme. Diese aber könne nicht erwarten, dass die anderen - Bund und Land - "die Taschen auf machen", wenn man sich nicht selbst "voll ins Zeug" lege.
Schleenbecker vertrat hingegen die Auffassung, dass es wegen der überregionalen Bedeutung des Forums weit über Waldgirmes hinaus auch einer entsprechenden überregionalen Unterstützung bedürfe. Er verwies auf die Ausgaben der Kommune für den Landkauf sowie dauerhaft für die laufenden Kosten.
Dieses und sein Verweis auf das Haushaltsdefizit in diesem Jahr überzeugte die Anwesenden jedoch nicht wirklich, da die Haushaltslage von Kreis, Land und Bund im Vergleich ungleich angespannter ist. So machte Ihmels auch deutlich, dass seitens des Kreises keine Geldmittel zu erwarten seien.
Er sagte jedoch zu, dass Personen, die im nächsten Jahr durch Hartz IV zu gemeinnütziger Arbeit verpflichtet sind, an der Grabungsstelle für manuelle Arbeiten wie dem Fotografieren und Nummerieren der Funde eingesetzt werden. Schon in den vergangenen Jahren kamen wiederholt Sozialhilfeempfänger an der Grabungsstelle zum Einsatz.