Über 2000 Jahre alte Wasserleitungen
Entdeckt auf dem Gelände des Waldgirmeser Römerlagers
Von Annette Greier
Lahnau - Waldgirmes (ag). Einstmals hatte Waldgirmes wahrscheinlich das ausgeklügelste Wassersystem östlich des
Rheins dies ist die Schlussfolgerung, die Dr. Jürgen Becker, Grabungsleiter am römischen Stützpunkt
Waldgirmes, aus den bisherigen Funden zieht. Reste einer hölzernen Leitung, die aus durchbohrten Baumstämmen
bestand, lassen darauf schließen, dass das Frischwasser für die Bewohner des Stützpunktes von Nordosten und
wahrscheinlich sogar durch das Osttor zum Forum geleitet wurde.
"Die Leitung sitzt exakt auf dem Gefälle des Geländes", so Beckers Kollegin Dr. Gabriele Rasbach.
Dafür spricht auch, dass sich noch heute auf dem Gebiet um die Haustätter Mühle Quellen befinden. Der Fund
eines Bleirohrfragments weist auf ein weiteres Leitungssystem hin, dessen Verlauf im Gelände jedoch nicht bekannt ist.
Damit ist Waldgirmes neben Haltern in Nordrhein Westfalen der einzige Ort in Deutschland, wo Leitungen aus Blei aus
römischer Zeit nachgewiesen werden konnten. Dr. Becker hält es für möglich, dass das Wasser über
die Deuchelleitung zu der Stadt hin. geleitet und im Forum selbst durch Bleirohre verteilt wurde.
Gleichzeitig bestätigen die Leitungsfunde für die beiden Grabungsleiter auch die These vom friedlichen Charakter
der römischen Siedlung in Waldgirmes. Denn in einem feindlichen Umfeld hätte eine derartige Wasserversorgung, weil
sie leicht zu zerstören ist, angreifbar gemacht und somit einen. Nachteil dargestellt. Die Römer verwendeten also
in Waldgirmes bereits vor 2000 Jahren Bleirohre. Mit ihrem Abzug aber verschwand das fortschrittliche Wassersystem. Erst im
19. Jahrhundert wurde in Europa wieder annähernd eine ähnliche Versorgungsdichte mit Wasser und Bädern
erreicht wie zur Zeit des Imperiums.
In Waldgirmes dauerte es gar bis in die 1920er Jahre, ehe erneut Bleirohre bei der Wasserversorgung Verwendung fanden. Die
Archäologen am römischen Stützpunkt haben bei ihren Grabungen aber nicht nur Hinweise auf die Wasserversorgung,
sondern auch auf die Entsorgung gefunden. Vom Osttor her führte ein Abwassergraben durch die Anlage und mündete in
den äußeren Umwehrungsgraben.
Die Linienführung der Gräben lässt sich an der aktuellen Grabungsfläche an den helleren Flächen
ablesen, die sich deutlich von der Umgebung abheben. Daraus und aus den bereits gemachten Funden kann man laut Dr. Becker
den Schluss ziehen, dass das Forum über ein ausgeklügeltes Ver und Entsorgungssystem für Wasser verfügte.
Wer sich über das Forum oder dessen Wasserversorgung informieren möchte, kann dies am Tag des offenen Denkmals am
12. September tun. Von 11 bis 16 Uhr werden stündlich Führungen am Grabungsgelände angeboten.