Römerlager: Minister Corts will finanzielle Unterstützung "prüfen"
500 Euro als "Zeichen des guten Willens" überreicht
Von Annette Greier
Lahnau - Waldgirmes (ag). "In den meisten Linien besteht zwischen meiner Amtsvorgängerin Ruth Wagner und mir
Kontinuität. Wir werden die Prioriäten richtig setzen und ausbauen", stellte, der hessische
Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) den Anwesenden Honoratioren gestern bei einem Besuch des "Römischen
Forums" in Waldgirmes in Aussicht. Damit ging er auf die Sorgen ein, die sowohl Lahnaus Bürgermeister Roland
Schleenbecker (parteilos) als auch Landrat Dr. Karl Ihmels (SPD) als Vorsitzender des Fördervereins für
archäologische Forschungen am römischen Stützpunkt Lahnau Waldgirmes vorgetragen hatten.
Es habe eine solche positive Entwicklung bei den Grabungen gegeben, dass Lahnau diese finanzielle Last allein nicht mehr
tragen könne, sagte Schleenbecker. Auch müsse zur Veranschaulichung der Funde und deren Bedeutung nun
verstärkt Gewicht auf die Rekonstruktion gelegt werden, ergänzte Ihmels. Er führte zudem an, dass die bisher
geleistete Arbeit durch Sozialhilfeempfänger nach der jüngsten Arbeitsmarktreform "Hartz IV" nicht mehr
im gleichen Maße geleistet werden könne. Wolle man die Grabungen daher wie bisher weiterführen, kämen
auch in diesem Bereich erhebliche Mehrkosten auf die Gemeinde und den Verein zu, sagte Ihmels, ohne konkrete Zahlen zu
nennen.
Dr. Armin Becker von der Römisch Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt,
der zusammen mit Dr. Gabriele Rasbach die Grabungen leitet, führte den Minister kurz in die geschichtlichen
Hintergründe des Forums ein. Er zeigte ihm die Grabungsstellen, aber auch die Schäden, welche die Witterung im
Laufe der Jahre entstehen ließ, und betonte die Dringlichkeit der Sicherung der Fundamente.
Von den Ausführungen und der anschließenden Computerpräsentation zeigte sich der Minister beeindruckt. Die
von Bruno Weber, Botschafter im Ruhestand, angedachte Vision von einem Ausbau und einer wirtschaftlichen Nutzung des Forums
ging ihm jedoch zu weit. "Visionen sind gut, aber ich bin Realpolitiker und muss zunächst das Vorhandene
erhalten", zeigte sich der Minister bodenständig. Er versprach zu prüfen, inwieweit die einst von Ruth
Wagner (FDP) zugesagten Mittel tatsächlich zur Verfügung stehen. Der Anteil des Landes für die geplante
Aufmauerung der Fundamente würde bei 90.000 Euro liegen. Corts sagte zu, bis September den Sachverhalt zu klären,
"anschließend muss man offen darüber sprechen".
Als "Zeichen des guten Willens" überreichte der Wissenschaftsminister an den Vorsitzenden des
Fördervereins Römisches Forum, Landrat Ihmels, einen Scheck in Höhe von 500 Euro. In Anschluss an die
Besichtigung des Römerlagers reiste der Minister weiter nach Greifenstein, um sich über die Wünsche und
Pläne der dortigen Denkmalschützer zu informieren.