Vergoldetes Bronzestück von der Augustus-Reiterstatue gefunden
Die Mühen der Grabungen am Römerlager Waldgirmes lohnen sich
Von Annette Greier

Lahnau - Waldgirmes (ag). Das trockene Wetter der vergangenen Wochen kam den Archäologen und ihren Mitarbeitern an der Ausgrabungsstätte Römerforum in Waldgirmes gelegen - auch wenn der Boden mangels Regen steinhart war. Doch solche Widrigkeiten hinderten die Mitarbeiter vor Ort nicht, hochmotiviert an die Arbeit zu gehen. Und die Mühe hat sich gelohnt: Es fanden sich qualitativ hochwertige Stücke.
Der jüngste spektakuläre Fund ist ein vergoldetes Bronzestück, welches der Reiterstatue des Kaisers Augustus zugeordnet wird, die im Innenhof des Forums gestanden hatte. Im Gegensatz zu vielen anderen, kleineren Fragmenten der Statue ist auf diesem Stück der Goldüberzug deutlich zu erkennen. Wegen der geschwungenen Form und der Gestaltung der Oberfläche geht man davon aus, dass es ein Stück des Mantels des Imperators bildete.

Mehrere Bauphasen
Doch die Erde gab auch andere Funde frei, darunter eine große Glasperle und vor allem auch viele Eisenstücke. Gerade bei letzteren ist die Restaurierung besonders problematisch, da die Oberfläche bei einer Zwischenlagerung sehr schnell aufreist und der Restaurator deshalb oft "die Brösel mit viel Mühe zusammenfügen" muss, so Dr. Gabriele Rasbach.
Doch diese Fundstücke machen nur einen Aspekt der Grabungen aus. Ebenso wichtig ist die Erkenntnis, die sich aus den großflächigen Arbeiten ergeben hat, dass die Siedlung in drei bis vier Bauphasen entstanden ist. Dies lässt sich aus einander überschneidenden Funden ableiten, erläutert Dr. Armin Becker von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt, der zusammen mit Dr. Rasbach und Dr. Alexandru Popa von der staatlichen Universität der Republik Moldau die Grabungen leitet.
Lediglich bei der letzten Bauphase finden sich zum Beispiel verkohlte Pfosten, die auf die Zerstörung der Siedlung hinweisen. Doch die Archäologen haben auch Sorgen, denn in den Zeiten knapper Kassen fehlt das Geld für die aufwändigen Restaurierungen der Fundstücke und die Sicherung der Fundamente. Die Möglichkeit von Patenschaften für Fundstücke, wie sie bei den Ausgrabungen am Dünsberg eingeführt wurden, bietet sich in Waldgirmes nicht an, meinte Dr. Rasbach. Denn während am Dünsberg die Metallfunde in der Regel aus Bronze und deutlich erkennbar sind, "haben wir im Grunde Rostklumpen". Oft kann erst durch eine Röntgenuntersuchung oder die Restaurierung geklärt werden, um was es sich handelt.
Anschauliche Beispiele mit Vorher-Nachher-Bildern zeigte sie den Mitgliedern des Fördervereins für archäologische Forschungen am römischen Stützpunkt Lahnau-Waldgirmes auf deren Jahreshauptversammlung. Da verwandelten sich formlose Erdklumpen durch die Arbeit des Restaurators in Scheren, Nägel oder Bronzemünzen. Mit diesem Vortrag machte sie einmal mehr deutlich, wie sehr man auf die Unterstützung des Vereins angewiesen ist. Doch nicht nur die kleinen Fundstücke müssen von Fachleuten behandelt werden. Dr. Becker weist darauf hin, dass auch die 1997 offen gelegten Fundamente dringend der Sicherung bedürfen. Zwar bemüht sich die Gemeinde Lahnau, die Flächen in den kalten Monaten abzudecken, doch vor allem an den kleineren Steinen sind Frostschäden und ein Schwund an der Oberfläche deutlich erkennbar. Diese Fundamente zu erhalten sei wichtig, denn nur sie machen den Gebäudeeindruck wirklich erfahrbar, meint Dr. Becker. Dabei kann das neue Computerprogramm aus seiner Sicht nur eine Ergänzung darstellen.

Virtueller Rundgang
Das von der Firma Via Software erstellte Programm bietet einen virtuellen Rundgang durch das Forum. Der Öffentlichkeit wird dieser Rundgang im Rahmen des Tages des offenen Denkmales präsentiert. An diesem Tag ist das Römerforum von 10 bis 16 Uhr für interessierte Besucher geöffnet, und es finden stündlich Führungen statt.