Römer oder die alten Waldgirmeser?
Immer noch Unklarheit über die Fundamente am Schunkauer Weg
Von Sabine Glinke
Lahnau - Waldgirmes. Waren es die frühen Waldgirmeser oder die alten Römer? Diese Frage stellt sich, nachdem
archäologische Grabungen am alten Schunkauer Weg in Waldgirmes gemacht wurden. Geomagnetische Messungen im September
hatten Spekulationen über eine alte verborgene Römerstraße laut werden lassen - ausgerechnet auf dem Areal
am Pohlstück, auf dem ein Gewerbegebiet entstehen soll.
Die Gemeindeverwaltung Lahnau sicherte Untersuchungen zu - und seit dem 15. März dieses Jahres nahmen Dr. Armin Becker
und sein Team, die ansonsten alljährlich am Römerlager in Waldgirmes tätig sind, verschiedene Testgrabungen
vor. Tatsächlich wurden bei diesen Probegrabungen erstaunliche Funde gemacht: Mehrere pfostenartige Steinfundamente
kamen zum Vorschein, alle zwischen einem und 1,40 Metern breit, 3,40 Meter lang und etwa 80 Zentimetern hoch.
Diese Pfosten lassen laut Erwin Schmidt, Geschäftsführer des Fördervereins Römerlager Waldgirmes, auf
die Überreste eines festen Weges schließen. Er könnte ursprünglich geschaffen worden sein, um einen
Überweg über das ehemals an Waldgirmes angrenzende sumpfige Gebiet zu bieten.
Ein Teil des Verlaufs dieses Weges ist anhand der Testgrabungen nachzuvollziehen, doch folgt man dem heutigen Fußweg
von Waldgirmes zur Naunheimer Lahninsel, kommt man kurz nach der Unterführung der Autobahn an einen Punkt, wo sich zwei
Wege gabeln. Hier weiß man nicht, ob der mutmaßliche "Weg", zu dem die Steinfundamente gehören,
weiter geradeaus nach Naunheim läuft oder nach unten zur Lahn hin abknickt.
"Wenn der Weg zum Fluss hin abbiegt, kann man mit großer Sicherheit auf römische Überreste
schließen", so Schmidt. Aus einer anderen Zeit könnten die Bauten nicht stammen: "Im 14. Jahrhundert
hatte Waldgirmes gerade mal 270 Einwohner - die hätten einen solchen Aufwand nicht leisten können",
erklärt der Geschäftsführer. Und auch zu Kriegszwecken sei dieser Überweg wohl kaum entstanden - weder
im Kirchenbuch ab dem Jahre 1696 noch in anderen Aufzeichnungen sei je von einem Straßenbau oder Ähnlichem die
Rede gewesen.
Wer genau also für die Fundamente verantwortlich ist und was der Zweck der Errichtung war, weiß derzeit niemand
genau. Einleuchtend ist die Theorie aber allemal, die Römer dafür "verantwortlich" zu machen. Denn
schließlich sind diese dafür bekannt gewesen, schwere Güter über das Wasser zu transportieren, wie zum
Beispiel durch 380 Kilo schwere Steinblöcke aus der Moselgegend, wie sie im Römerlager gefunden wurden, deutlich
wird.
Doch weiter untersucht wird erst mal nicht. Die Gruben werden wieder zugeschüttet. Bislang haben die Untersuchungen die
Gemeinde Lahnau um die 20 000 Euro gekostet. Um Klarheit zu bekommen, müsste eine weitere Probegrabung an der genannten
Abzweigung vorgenommen und Gesteinsproben untersucht werden. Das ist derzeit jedoch alles zu teuer.
Wenn es sich um römische Überbleibsel handelt, wäre Erwin Schmidt und dem Förderverein Römerlager
sehr gelegen daran, wenn ein oder zwei Pfosten erhalten werden könnten. Die Entstehung des Gewerbegebietes sieht
Schmidt dadurch nicht gefährdet. Die endgültige Entscheidung über die Finanzierung weiterer Testschnitte liege
jedoch definitiv bei der Gemeinde Lahnau.
Lahnaus Bürgermeister Roland Schleenbecker ist indes optimistisch, dass noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten
"Am Pohlstück" begonnen werden kann - "wenn das Landesamt für Denkmalpflege die Freigabe erteilt
und eventuell mit archäologischer Begleitung".