Archäologen finden keine "Römer"
Grünes Licht für das Gewerbegebiet am Waldgirmeser Pohlstück
Von Heike und Ulrich Pöllmitz
Lahnau – Waldgirmes. Für den Grabungsort am "Pohlstück" in Waldgirmes, wo Römerfunde vermutet wurden
und deshalb das geplante Gewerbegebiet der Großgemeinde Lahnau in Frage gestellt war, konnte Grabungsleiter Dr. Armin
Becker gestern Entwarnung geben: "Nach unseren Ergebnissen können keine Römer nachgewiesen werden!"
Das wenige Fundmaterial konnte in das frühe 15. Jahrhundert datiert werden. Bei den Fundamentierungen, so Becker,
handelte es sich um lose geschüttetes Material, so genannte Stickungen, und es war kein Mörtel vorhanden. Streifen,
die an Fahrspuren erinnern, sind älter als die Fundamente. Es handelt sich offensichtlich um eine drei Meter breite
Fahrbahn, die an dieser Stelle wohl sehr feucht und mit den Steingruben befestigt war.
Weitere Testgrabungen, die sich an geomagnetischen Karten orientierten, ergaben zum einen eine moderne Drainage aus
Tonröhren und zum anderen in Richtung Naunheim eine geologisch einzuschätzende Wasserrinne. Der einzige Nachweis,
den dieser Fund erbringt, ist die Tatsache, dass die Lahn in der Geschichte eine Rolle gespielt hat - vielleicht als
Transportweg.
Das Landesamt für Denkmalpflege wird nun abschließend entscheiden, doch Dr. Becker sieht das Gewerbegebiet nicht
gefährdet. Das bestätigte gestern Nachmittag auch Bürgermeister Roland Schleenbecker (parteilos): "jetzt
können wir den Bebauungsplan schnell vorantreiben."
Grabung am Römerlager
Seit gestern wird am Römerlager in Waldgirmes wieder gegraben. Noch bis nächste Woche wird ein Bagger fein
säuberlich und so plan wie möglich rund 40 Zentimeter Erde über dem neuen Grabungsfeld abtragen. Dann setzen
die Grabungsarbeiten ein, bei denen bis zu 20 arbeitsverpflichtete Sozialhilfeempfänger sowie Studenten aus Moldawien
und Deutschland tätig sein werden.
"Bisher haben wir im Ostteil des geomagnetisch festgestellten Fundortes gegraben", so Grabungsleiter Dr. Armin
Becker. Was sich dort fand, ist hinlänglich bekannt: eine römische Siedlung mit Forum und im vergangenen Jahr ein
Steinfundament.
In diesem Jahr soll nun ein in der Vergangenheit "angegrabenes" Gebäude freigelegt werden. Dafür wird in
westlicher Richtung an das bisher untersuchte Gelände ein 70 mal 50 Meter großes Feld bearbeitet. "Wir wollen
die westliche Ausdehnung des Bauwerks klären, das mindestens einmal umgebaut wurde und zum Teil abbrannte", so Dr.
Becker. Die Sache gestaltet sich hier deshalb schwierig, weil es sich nicht mehr um Lößboden handelt - viele
kleine scharfkantige Steinchen erschweren das Erkennen von Funden.
Bis September soll nun gegraben werden, und der Grabungsleiter zeigt sich hoffnungsvoll: "Ich wäre schon sehr
überrascht, wenn wir das Gebäude nicht finden würden!"
Was wollte Kaiser Augustus?
Gespannt schaut auf jeden Fall die ganze Archäologen- und Historikerwelt nach Waldgirmes - schließlich ist das
Römerlager die einzige zivile Siedlung östlich des Rheins. Die Saalburg hingegen ist "nur" eines von
vielen militärischen Lagern. Vielleicht kann man ja doch in Erfahrung bringen, ob Kaiser Augustus Germanien zur Provinz
machen wollte. Bisher war man von bloßen Abschreckungsfeldzügen ausgegangen.