Archäologen suchen in Waldgirmes nach Resten aus der Römerzeit
Probegrabungen entscheiden über Zukunft des Gewerbegebiets
Von Thomas Schwarz
Lahnau - Waldgirmes. Einige Dutzend Personen buddeln derzeit am Ortsrand von Waldgirmes tiefe Löcher in den Boden. Ganz
normale Bauarbeiten? Nein, es handelt sich um archäologische Ausgrabungen. Sie sollen Klarheit darüber schaffen,
ob sich auf dem Gebiet zwischen Sportgelände und Lahn eine römische Straße oder Bauten aus der
Römerzeit befunden haben. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, könnte ein Teil der geplanten
Gewerbegebietserweiterung "Am Polstück" wegfallen. Bislang fand man neun Steinfundamente. "Wir
können aber noch nicht sagen, was das bedeutet", sagte Dr. Armin Becker, der auch als Grabungsleiter am
"Römischen Forum" in Waldgirmes tätig ist.
So genannte geomagnetische Untersuchungen - wegen der geplanten Gewerbegebietserweiterung vom Landesamt für
Denkmalpflege von der Gemeinde Lahnau gefordert - hatten im vergangenen September auffällige Teilbereiche zu Tage
gefördert. Die ließen auf Steinlagen oder ähnliches schließen - wegen der Nähe zum
"Römischen Forum" möglicherweise Relikte aus der Römerzeit.
Fein säuberlich tragen nun seit der vergangenen Woche Grabungsleiter Becker, eine Archäologiestudentin und
zeitweise bis zu 30 Sozialhilfeempfänger der Stadt Wetzlar die Erdschichten an den verdächtigen Stellen ab.
"An einem Punkt stießen wir auf eine Drainage", berichtet Becker. Die könnte in der jüngeren
Vergangenheit zum Trockenlegen des einstigen Sumpfgebietes gedient haben, "stammt aber garantiert nicht aus der
Römerzeit".
An einer anderen Stelle stießen die Ausgräber kurz unter der Erdoberfläche auf bislang neun Steinfundamente,
jeweils anderthalb Meter breit und 80 Zentimeter tief. In der so genannten Füllmasse an den Fundamenten wurden zwei
Keramikbruchstücke gefunden. "Sie stammen vermutlich aus der frühen Neuzeit, also aus der Zeit zwischen dem
14. Jahrhundert und dem 30-jährigen Krieg", erklärt Becker.
Was die Steinfunde bedeuten, sei noch völlig unklar, so der Grabungsleiter. Es könnte sich um ein Gebäude
handeln, aber auch um Einrichtungen, um Wasser abzuleiten. "Oder um etwas ganz anderes." Unklar sei bislang auch
aus welcher Zeit die Steinaufschichtungen stammen. Bis Ende Mai soll auf Kosten der Gemeinde Lahnau - sie stellte bislang 20
000 Euro zur Verfügung - weitergegraben werden. "Dann haben wir vielleicht Klarheit", hofft Becker.
"Sollte sich der Fund als römisch entpuppen, müssen die Archäologen entscheiden, ob sie erhaltenswert
sind oder ob sie lediglich dokumentiert und dann wieder zugeschüttet werden", sagte Lahnaus Bürgermeister
Roland Schleenbecker (parteilos) auf Anfrage dieser Zeitung. Sollten die möglichen Funde erhalten bleiben, falle ein
Teil des Gewerbegebietes weg. Und wenn sich alles als harmlos entpuppt? Schleenbecker: "Dann werden wir das Verfahren
für den Bebauungsplan für die Erweiterung des Gewerbegebiets zügig vorantreiben".