Nur Hilfe von Bund und Land kann die Grabung im Römerlager sichern
SPD-Landtagsfraktion schaute sich gestern in Waldgirmes um
Lahnau.Waldgirmes (ew). "Mir ist daran gelegen, dass die Landespolitik weiß, wo Waldgirmes liegt", ließ Landrat Dr. Karl
Ihmels gestern die SPD-Landtagsfraktion um ihren Vorsitzenden Armin Clauss nach dem Besuch in der früheren Römersiedlung bei
Waldgjrmes und im Heimatmuseum der Gemeinde Lahnau in Waldgimes wissen. Angsichts der bedeutenden archäologischen Grabungs-,
Fund- und Erkenntnissituation mühte sich Ihmels nicht als Landrat des Lahn-Dill-Kreises, wohl aber als Vorsitzender des
Fördervereins "Römerlager Waldgirmes" um die Aufmerksamkeit der Landtagsabgeordneten.
Denn, so IhmeIs, angesichts der Bedeutung dieser Grabungsstätte und ihrer Folgen für das Verständnis der römisch-germanischen
Geschichte, die laut Professor Dr. Siegmar von Schnurbein von der federführenden Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt
neu geschrieben, gedeutet und gewichtet werden müsse, wird die kostenintensive Grabung ohne Hilfe von Land und Bund nicht zur
Zufriedenheit der Wissenschaft zu Ende geführt werden können.
Bislang steuern Kreis, Gemeinde und Förderverein - übrigens bundesweit einzig in seiner Art und seinem Auftrag, eine
archäologische Grabung zu ermöglichen - erhebliche Mittel zu dem Vorhaben bei, dessen erste Feldgrabungen ins Jahr 1993
zurück gehen und seither Jahr für Jahr fortgeführt wurden. Und es werde, so die Auskunft von Dr. Armin Becker, Grabungsleiter
vor Ort, und Erwin Schmidt, Geschäftsführer des Fördervereins, noch einige Jahre dauern, bis die interessante und einmalige
Fundstelle gänzlich erforscht ist.
Dr. Karl IhmeIs macht eine wachsende Beachtung der Heimatgeschichte im Bewußtsein der Bevölkerung aus. In Waldgirmes komme
nun der "bedeutende frühgeschichtliche Sonderfall" hinzu, der alle Anstrengungen rechtfertige.
Auch SPD-Landtagsfraktionsvorsitzender Armin Clauss erkennt neben der wissenschaftlichen vor allem die strukturpolitische
Bedeutung der Grabung in Waldgirmes an, vor allem, wenn seitens der Gemeinde denkmalschützerische Maßnahmen in Form der
teilweisen Erhaltung des "Forums", also des zentralen Gebäudes innerhalb der römischen Stadtgründung, erwogen werden. Er
wünschte dem anwesenden Lahnauer Bürgermeister Roland Schleenbecker und den kommunalen Gremien eine glückliche Hand und den
nötigen Weitblick bei den anstehenden Entscheidungen.
Darüber hinaus wies Clauss auf den sozialpolitischen Aspekt der Grabung hin, nachdem der Lahn-Dill-Kreis;
Sozialhilfeempfängern seit Jahren die Gelegenheit bietet, sich als Grabungshelfer etwas zu ihrer Sozialhilfe hinzu
zu verdienen oder diese Arbeit im günstigsten Falle als Übergang in ein geordnetes Arbeitsverhältnis zu nutzen.
Vor dem Abstecher nach Waldgirmes hatte sich die SPD-Landtagsfraktion, die regelmäßig außerhalb Wiesbadens tagt, im
Sitzungssaal des Wetzlarer Kreishauses über den Lahn-Dill-Kreis informiert. Die Farben der Region vertraten neben den
heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Barbara Beregelt und Gerhard Bökel die Bundestagsabgeordnete Erika Lotz, Landrat Dr.
Karl Ihmels, Kreisbeigeordneter Roland Wegricht, Wetzlars Stadtverordnetenvorsteher Udo Volck und Ex-Oberbürgermeister
Walter Froneberg.
Bökel und IhmeIs stellten Beschäftigungsförderung, Schulangebote, Vereinsförderung, die Abfallwirtschaft sowie die
kaufmännische Buchführung des Kreises als Schwerpunkte der politischen Errungenschaften an Lahn und Dill heraus. "Hier wird
solide politische Arbeit geleistet, vom Lahn-Dill-Kreis können wir viel mit nach Wiesbaden nehmen", lobte Clauss.
In einzelnen Gruppen besuchte die Landtagsfraktion neben dem Römerlager die Energetische Verwertungsanlage in Aßlar, den
Automobilzulieferer Nickel in Fleisbach sowie das Zentrum für Beratung, Erziehungs- und Eingliederungshilfen.