Wetzlarer Neue Zeitung

29. April 2008

Römerforum in die Zukunft holen

Stützpunkt komplett aufbauen oder nur andeuten: Studie soll Ergebnisse bringen

Lahnau-Waldgirmes (ag). Mit einer Machbarkeitsstudie zum Römischen Forum in Waldgirmes soll das Büro ICG Cultur-plan Unternehmensberatung aus Berlin beauftragt werden. Das haben die Lahnauer Gemeindevertreter beschlossen. Die Studie soll helfen, konkrete Vorstellungen über die Zukunft der Fundstätte zu erhalten. Die Vorschläge können von einer kleinen bis zu einer großen Lösung reichen - von einer Rekonstruktion lediglich der Fundamente mit einer kleinen Besucherstation bis zu einer Gesamtrekonstruktion des Stützpunktes inklusive Museum.

Der Auftrag, der die Gemeinde rund 31 000 Euro kosten wird, basiert auf den Vorgaben von Friedrich Lüth, Direktor der römisch-germanischen Kommission, und Professor Egon Schallmayer vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Mehrere Varianten einer Weiterentwicklung des römischen Forums und der projektträgerschaft sollen aufgezeigt werden. Wichtig ist eine Kosten-Nutzen-Analyse. Gewünscht wird laut Ausschreibung die Einbettung des Forums in "ein Netzwerk aus weiteren archäologischen Fundplätzen, touristischen Konzepten und strukturpolitischen Maßnahmen". Schallmayer und Lüth sind Mitglieder des "runden Tisches" , welcher für das Forum eingerichtet wurde, um dessen Entwicklung voranzutreiben.

Bürgermeister Eckhard Schultz (SPD) erläuterte dem Parlament, dass die Machbarkeitsstudie nicht nur für die Planung wichtig, sondern auch Voraussetzung für Fördermittel sei. Zwar würden die Ausgrabungen vom Land Hessen gefördert, nicht aber die museale Darstellung der Funde. "Die Studie wird ein wichtiges Signal Richtung Wiesbaden senden ", meinte der Bürgermeister. Auch eine weitere Co-Finanzierung, wie sie Ex-Landrat Karl IhmeIs (SPD) und Regierungspräsident Willried Schmied in Aussicht gestellt hatten, werde wahrscheinlich.

Die CDU forderte in einem Änderungsantrag nicht nur die "Aussicht", sondern eine verbindliche Zusage von Geldern. Die CDU befürchtet, dass die Gemeinde auf den Kosten für die Studie sitzen bleibt, wenn sie sich nicht bereit zeigt, einige hunderttausend Euro in die Umsetzung zu investieren. An den Angeboten selbst kritisierte CDU-Chef Klaus-Jürgen Preuschoff, dass diese nicht den Vorgaben der Ausschreibung entsprochen hätten. Er zitierte einen früheren Beschluss der Gemeindevertretung, wonach zunächst die Qualität eines Angebots geprüft werden müsse. Die "Dürftigkeit der Angebote" erfordere zwingend eine Nachbearbeitung, so Preuschoff.

Schultz bat hingegen um Vertrauen in den runden Tisch. Dessen Fachleute hätten sich für das Büro ICG ausgesprochen. Deren Urteil, so Klaus Rauher (SPD), müsse man vertrauen. Michael Mondre (CDU) erklärte, die CDU sehe den Zeitdruck, dieser dürfe aber nicht zu einem Schnellschuss führen. Brigitte Sauter-Hill (Grüne) hielt dem entgegen, dass viele der von der CDU aufgeworfenen Fragen mit der Machbarkeitsstudie beantwortet würden.

Bernd Weber (FW) ergänzte, dass IhmeIs sich an seine Zusagen gehalten habe: Der Kreis werde Lahnau in diesem Jahr höher bedenken als zunächst vorgesehen. Obwohl die Freien Wähler angekündigt hatten, sich der Stimme zu enthalten, sprach der Fraktionsvorsitzende Holger Wörner dem runden Tisch und Schultz das Vertrauen aus. Er erwarte von der studie wichtige Impulse. Seinem Votum folgte schließlich die komplette Fraktion, die wie SPD und Grüne der Machbarkeitsstudie zustimmte.